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      Malatesta & Montefeltro

      Das Marecchia Tal: von Santarcangelo bis San Leo

      Santarcangelo und seine Festung


      Für diese Route sollte man die Via Emilia von Rimini aus nehmen, die entlang Valmarecchia bis nach San Leo verläuft. Nach einigen Kilometern gelangt man nach Santarcangelo di Romagna, das auf einem Hügel zwischen den Flüssen Marecchia und Uso erbaut wurde und eine der am besten erhaltenen und angenehmsten Städte der Zeit ist, Dank der nüchternen Bauweise und den bildschönen kleinen Straßen die hügelaufwärts verlaufen und an ruhigen Plätzen enden.

      Die Altstadt ist immer noch größtenteils von Mauern aus dem 15. Jahrhundert umgeben, die im Jahr 1447 teilweise restauriert und wiedererbaut wurden, unter Sigismondo Malatesta, der zusätzlich einige Marmorinschriften hinzufügen ließ. Die Erbauung der Rocca (Festung) ist auch ihm zu verdanken: sie wurde am Ende eines Hügels neben einem großen Turm errichtet, der von Carlo Malatesta 1386 in Auftrag gegeben wurde. Dieser Turm war extrem hoch und zeitgenössischen Autoren zufolge aufgrund eben dieser Höhe eines der Wunder von Italien. Selbst ein Jahrhundert später war er wegen seiner Herrlichkeit und Schönheit immer noch ein verblüffender Anblick, aber aufgrund der Angriffe mit Bronze-Mörsern anstelle von Holzkatapulten, zögerte Sigismondo nicht den Turm niedriger machen zu lassen.

      Er verwendete den unteren Teil als einen eckigen Bergfried für eine neue, mit einer viereckigen Form und polygonalen Türmen, geeignet um eine gute Garnison zu beherbergen, und der Notwendigkeit, ständig den Unterlauf der Flüsse Marecchia und Uso sowie die Via Emilia zu schützen.

      Selbst die Festung, die die unglücklicherweise komplett ihre Spitze an Winkeln und Zinnen verloren hat, ist mit schönen Inschriften in antikem Latein verziert, gemäß einem geisteswissenschaftlichen Stil der sich zu dieser Zeit gerade erst etablierte. Der Bergfried, die Grundlage des großen Turms aus dem 14. Jahrhundert von Carlo Malatesta, kann vom Hof aus begangen werden und führt über ein wunderschönes Kopfsteinpflaster unter dem sich eine mittelalterliche Zisterne befindet, die immer noch funktioniert. Ein Teil der antiken Wendeltreppe ist in dem enormen Mauerwerk versteckt: diese erlaubte die unabhängige Kommunikation zwischen den verschiedenen Geschoßen (vier davon haben bis heute überdauert).

      Galeotto Roberto Malatesta, genannt Beato (der Heilige), Neffe und Nachfolger von Carlo, Bruder von Sigismondo und Malatesta Novello, starb im Alter von nur 21 Jahren in einem Zimmer in diesem Turm, in der Morgendämmerung des 10. Oktober 1432 als er gerade mal 21 war. Einige einfallsreiche Schreiber des 19. Jahrhunderts platzierten hier die Ereignisse die zum „Ehrenverbrechen“ von Gianciotto führten, der Paolo il Bello und Francesca da Rimini ermordete.

      Der Blick auf die Landschaft von der Terrasse des Burgfrieds aus ist atemberaubend: das Marecchiatal  öffnet sich auf der einen Seite den Hügeln und San Marino und gelangt bis nach Cesena und zum Meer auf der anderen.

      Torriana und Montebello: Landschaften und Festungsanlagen

      Entlang der Straße nach Santarcangelo, erreicht man auf der Reiseroute zuerst Poggio Berni, wo der Palazzo Marcosanti als wertvoller Zeuge der Malatestaperiode steht und ein seltenes Exempel einer befestigten Residenz liefert.

      Nachdem man Poggio Berni verlässt, kurz vor Ponte Verucchio auf der rechten Seite, können wir die steile Straße nehmen, die nach Torriana (früher Scorticata) führt, wo die Überreste einer Festung hervorstechen. Dies war eine wirklich strategische Lage für die Kontrolle des Gebiets und erklärt die Sorgfalt, mit der Sigismondo die Verteidigungen formte und verstärkte, die jetzt friedvolle Balkone und eine unglaublich schöne und verzaubernde Landschaft überblicken,

      Wo wir heute die landschaftlichen Vorteile dieser Position zu schätzen wissen, stellte der Hügel von Torriana zusammen mit dem von Verucchio gegenüber des Marecchia Flusses, zur Zeit der Malatesta-Familie eine wichtige, befestigte Grenze dar: diese wurde erstellt, um sie unüberwindbar zu machen und um Feuer- und Rauchzeichen als Nachrichten über das große von hier aus kontrollierte Gebiet sowohl meerwärts nach Rimini wie auch in Richtung der romagnolischen Hügel, der Marken und San Marino zu senden.

      Nachdem wir Torriana verlassen, lohnt es sich Montebello zu besuchen, das ein liebliches, befestigtes Dorf mit einer interessanten Festung ist, die mehrere Male erweitert wurde (war im Eigentum des Marquis von Bagno). Die Aussicht auf das Marecchia- und das Usetal ist herrlich. Die Besucher, die Legenden lieben, können sich die Geschichte von Azzurrina anhören, einem jungen Mädchen das auf tragische Weise in der Festung ums Leben kam.  

       

      Verucchio, eine der “Wiegen” der Malatestas


      Während wir uns talabwärts bewegen gehen wir über die Ponte Verucchio, um die Marecchia zu überqueren. Unser Ziel ist Verucchio auf der anderen Seite, dem mit Pennabilli die Ehre gehört, Wiege der Malatesta Familie zu sein. In Rimini tat sich bereits im Jahr 1220 Malatesta dalla Penna als Haupt der Familie hervor und nach seinem Tod im Jahr 1241 übernahm sein Sohn Malatesta da Verucchio. Wahrscheinlich stellte Verucchio nur eine Stufe der Machterweiterung dieser reichen und zunehmend mächtiger werdenden Familie dar. Dennoch befindet sich die „Wiege“ der Familie hier in Marecchia.

      In Verucchio befindet sich ein Kloster in einer der beiden Festungen („del Passerello“ genannt), das praktisch zerstört ist, aber das andere („del Sasso“) ist solide und sichtbar und ragt immer noch über die Stadt und das Gebiet. Unabhängig von den vielen Anpassungen und Restaurierungen, ist dieser Turm zusammen mit denen in Montebello, San Leo und Santarcangelo einer der interessantesten im gesamten Tal.

      Von zwei wunderschönen Inschriften erfahren wir, dass Sigismondo den Turm 1449 verstärken ließ und einen großen Steilhang hinzufügte und die Gebäude so wie die zentrale Schalung reorganisierte. Einige Ausgrabungen enthüllten riesige Friedhofsbereiche und imposante Strukturen die vielleicht auf das 12. Jahrhundert zurückgehen, in jedem Fall weit vor Sigismondos Änderungen. Selbst der wunderschöne, rechteckig-geformte Turm datiert auf eine frühere Zeit zurück, die Vorderseite ist außerordentlich präzise und abschnittsweise vollständig erhalten. Im Jahr 1975 wurde ein antiker Pfad rekonstruiert, der den Burgfried beschützte und steil an der Seite der Klippe abfällt: er wurde verwendet, um das Gebiet in Notzeiten zu versorgen.

      Die Hallen dieser Festung wurden vielen Änderungen und Umbauten unterzogen, um sie an die Bedürfnisse des kleinen Hofs von Zenobio de‘ Medici, Ippolita Comnena, Leonello und Alberto Pio von Carpi anzupassen, welche die Fehde von Verruchio zwischen den Jahren 1518 und 1580 abhielten und an die Erfordernisse des kleinen Theaters das im 18. Jahrhundert gebaut wurde.

      Verucchio wurde von Sigismondo 1462 nach einer zermürbenden Belagerung verloren. “Rocca del Sasso” war gut ausgerüstet und wurde von den Truppen verteidigt und weigerte sich, sich Federico da Montefeltro zu ergeben, der gezwungen war sich einer List zu bedienen: ein Brief mit einer   gefälschten Unterschrift von Malatesta Novello, in welchem die Ankunft von Verstärkungen angekündigt wird. Die Verstärkungen trafen auch wirklich ein, allerdings war es zu spät. Der Burgvogt bemerkte dass es sich um Soldaten von Federico handelte, die entsprechend verkleidet waren.

       

      Die uneinnehmbare Festung von San Leo


      Nachdem wir Verucchio verlassen haben, folgen wir links der Via Marecchiese bis wir in San Leo ankommen. Das antike Mons Feretri ist in gewisser Weise die „historische“ Hauptstadt von Montefeltro, dem sie ihren Namen verlieh und vielleicht ist dies auch der Geburtsort der Montefeltrodynastie, die sich im 14. und 15. Jahrhundert mit den Malatesta stritten. Natürlich ist dies ein Ort von hoher strategischer Wichtigkeit für den Herrschaftsbereich im Hinterland und aus diesem Grund war er bereits Mittelpunkt des Streits zwischen den Langobarden und den Byzantinern.

      Wir sollten bedenken, dass der Kampf von Berengarius II gegen Kaiser Otto I hier in San Leo endete, nach einer langen Belagerung, wobei der letztere die Stadt einnahm und seinen Gegner am 26. Dezember 963 gefangen nahm. Der Anblick der Landschaft ist zu Recht berühmt: San Leo, das auf einer Kalksteinklippe errichtet wurde, wird von einer Festung dominiert die fast uneinnehmbar war und von Francesco di Giorgio Martini für Federico da Montefeltro wiedererbaut wurde. Wir befinden uns vor einem der vollständigsten und am besten erhaltenen Militärgebäude der Renaissance.

      Die Konstruktion einer ersten kleinen Festung mit Mauerarbeit wird Desiderio zugeschrieben, dem König der Langobarde im 18. Jahrhundert. Ab da an war San Leo einige jahrhundertelang, zumindest seit der ostgotischen Invasion, eine natürliche Festung. Die Festung hat zwei ausgeprägte Teile, ungeachtet der Einheitlichkeit die Francesco di Giorgio der Anordnung der Gebäude aus verschiedenen Perioden zu geben versucht hatte. Der Renaissance Architekt hatte den Wohntrakt und die runden Türme ganz neu hinzugefügt, die durch eine riesige, hüllenförmig Mauer mit Befestigungen verbunden war.

      Der Ausblick am Piazza d’Armi (Platz der Waffen) ist atemberaubend,  eingegrenzt von den zwei Türmen, dem Zaun und den Mauern des Burgfrieds. Wenn man hinausblickt, erhält man eine Aussicht auf das bebaute Gebiet mit seinem Straßennetz, dass im Zentrum der Stadt zusammenläuft.

      Wir befinden uns nur 650 Meter über dem Meeresspiegel6, doch durch die Isolation durch die Berge die ringsum eine Krone formen, scheint die Festung zwischen Himmel und Erde aufgehängt zu sein. Beim Besuch des „Pozzetto“, einer kleinen Quelle, wird Neugier wach. Ebenso bei der engen Zelle in welcher der legendäre Okkultist und Abenteurer Giuseppe Balsamo, der in ganz Europa berühmt und besser als Cagliostro bekannt war, von 1791 bis zum Jahr seines Todes 1795 gefangen war. 

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      Letzte Aktualisierung: 16/03/2017